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Unsere Ahnen -
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THEMA: Unsere Ahnen -

Unsere Ahnen - 2 Jahre, 4 Monate her #5223

Sie waren Aus- und Rückwanderer von und nach Deutschland.

"Wenn einer ziehet ein,
soll man ihm helfen mit Rath.
Wenn einer ziehet aus soll
man ihm nehmen was er hat"

Die Auswanderer.

Die Masse der Auswanderer nach Galizien stammt zweifelsfrei aus dem südwestdeutschen Raum, einem
- um die damaligen Zeit - Konglomerat aus Herzog- und Fürstentümern, Graf- und Ritterschaften-
Hochstiften und Reichslanden mit weltlichen und geistlichen Herrschaften.
Und alle Herrschaften beanspruchten von ihren Untertanen eine standesgemäße Lebensführung und hatten das Recht über deren Schicksal zu bestimmen.
Denn etwa 70-80% der Einwohner waren - wie im ganzen Heiligen-Römischen-Reich-Deutscher-Nation - leibeigen. Nur in den Städten und wenigen "leibfreien" Orten gab es ein eingeschränktes Selbstbestimmungsrecht.

Was also bewog unsere Ahnen ihre angestammte Heimat zu verlassen? Waren es die Feudallasten, die Mißwirtschaften, die Beamtenwillkür?
Wir wissen es nicht was der Auslöser zu ihrer Auswanderung war.
Denn diese Auswanderungen wurden von allen Herrschaften mehr oder minder intensiv bekämpft, war doch jeder außer Landes gehende Untertan ein Steuerzahler weniger. Und war dieser ein Leibeigener musste er zahlen.
Da war zunächst das Gesuch auf Entlassung aus der Leibeigenschaft (Manumission, Freikauf) dafür zahlte man die Schreib- und Kanzleihgebühren, denn fast 70% der Bevölkerung waren Analphabeten.
Ein Anspruch auf Loslassung bestand nicht, sie war ein "jus gratiale" und ganz im Belieben des Leibherren gestellt.
Wurde eine Manumission genehmigt wurde zunächst das Vemögen des Antragstellers geschätzt und eine Gebühr von 8-10% für Männer und 10-12% für Weiber festgelegt. Die "Freien" zahlten keine Manumission.
Aber alle zahlten den Abzug (Nachsteuer) auf das Vermögen, die Braut- oder Erbschaft welches als Besitz ins Ausland exportiert wurde.
Da ist es nur verständlich wenn es zu Unterschleifungen kam, d.h. dass die so Geschröpften ihren wahren Besitz zu verheimlichen suchten - gewiß kein leichtes Unterfangen auf den Dörfern wo jeder jeden kannte.
Nicht wenige Auswanderer wählte die heimliche Auswanderung. Wurden soche schwarzen Schafe gefasst drohte die Verurteilung "zum Schubkarren" (Zwangsarbeit).
Wen wundert es, dass nach so viel Unbill die in Galizien liegenden theresianischen und josephinischen Siedlungen den Bauern und Handwerkern als das gelobte Land erschien?

Am 5.August 1772 einigten sich Preussen, Österreich und Rußland auf die Aufteilung des Königreiches Polen (1.Aufteilung). Westpreussen (ohne Thorn)fiel an Preussen, Galizien an Österreich. Die westlichen Grenzen Rußlands bilden die Flüsse Düna und Dnepr.
In der ersten Oktoberwoche wird Galizien unter die Verwaltung des ersten Zivilgouverneurs, Graf von Pergen, gestellt, die oberste Leitung ist das Gubernikum in Lemberg.

Etwa 13 - 15000 Menschen verlassen ihre Heimat "um nach Galizien zu gehen". Der Hauptwanderweg der Pfälzer, z.B., ging zunächst nach Frankfurt/Main wo sie vom österreichischen Residenten Franz von Roethlein ihren "Reichskommissariatspass" für die Ausreise erhielten. Dann ging die Reise nach Ulm oder Donauwörth um von dort mit den flachen, floßähnlichen Schiffen "Ulmer Schachteln" die Reise nach Wien fortzusetzen. Die Reisezeit Ulm - Wien betrug etwa 5 Tage. Über die Reisekosten finden sich in den Archiven einige Belege, Für die Fahrt Ulm - Wien wurden pro Kopf und Meile 1 Kreuzer bezahlt, dass machte für eine fünfköpfige Familie 8 Gulden.

Der (vorgeschriebene) Landweg führte über Brünn, Olmütz, Mährisch-Neustadt, Troppau nach Bielitz-Bianka. Hier wurden die Ankömmlinge in die "Consignationen" aufgenommen, in ihre Bestimmungsorte "instradiert" und auf die Reise geschickt. Die Zeit von Frankfurt nach Lemberg betrug im Mittel etwa 500 Reisestunden.

Unsere Ahnen - II 2 Jahre, 4 Monate her #5224

Dem Ersten der Tod;
Dem Zweiten die Not;
Dem Dritten das Brot

Die Kolonisten

Die neuer Heimat - Galizien - auf dem nördlichen Abhang und im Vorland der Karpaten umfasst ein Gebiet von 83.000 Quadratkilometern und steht von 1772 - 1918 unter österreichischer Verwaltung. In 18 Kreisen leben 47% Polen, 45% Ukrainer und 6% Juden. Die Ansiedlung von etwa 5.000 deutschen Familien - darunter sehr viele Protestanten - im ukrainischen Ostgalizien soll der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes dienen.
Vornehmlich auf Parzellen der großen Staatsdomänen sollten die Kolonisten seßhaft gemacht werden. Von den Großgrundbesitzern des polnischen Adel wurden nur ganz vereinzelt entsprechende Ländereienzur Verfügung gestellt obwohl die österreichische Regierung "Entwicklungshilfe" in Form von 250 - 350 Gulden pro Siedlerstelle bot.

Nach den Bestimmungen von 1784 sollten mittellosen Kolonisten mindesten 20 Korez (ca. 7,6 ha) Land erhalten, jene mit 200 Gulden Besitz 30, und jene mit mindestens 500 Gulden 40 Korez(ca.15,2 ha).
Das Wohnhaus sollte 8 x 8,5 m im Grundriss messen, die Ausstattung mit Vieh für eine mittlere Wirtschaft umfasste 2 Pferde oder Ochsen, 2 Kühe und 1 Schwein, dazu kam ein Bestand an Geräten, wie Pflug, Egge, Wagen usw. In bis zu 10 Freijahren sollten die Kolonisten von den Steuern ausgenommen werden, d.h. bei Urbarmachung und Rodung. Bei Ansiedlung auf kultivierten Böden wurden 3 - 6 Jahre zugestanden.
Zunächst aber warteten auf die Neuankömmlinge Massenquartiere und Zwangseinweisungen bei der einheimischen Bevölkerung die für Frust auf beiden Seiten sorgten.

Die österreichischen Behörden waren auf einen derartigen Andrang nicht vorbereitet. Ab Juli 1786 wurden Einreisen nach Galizien zeitweise gesperrt, erst 1803 wurden kleineren Gruppen wieder die Einreise erlaubt.
Wer waren nun die ersten Kolonisten?
In den Schriften der Deutschen Akademie, Heft 11: "Quellen zur deutschen Siedlungsgeschichte in Südosteuropa" von Dr. Josef Kaltenbrunner und Dr. Franz Wilhelm werden zwar rund 16.000 Auswanderer namentlich genannt und die Zielländer - Galizien, Ungarn oder Übersee vermerkt - aber nur selten mit genauer Herkunft und Namensnennung der Begleitpersonen.
Diese Angaben beruhen auf Auswertungen der österreichischen Kolonisations-Akten und viele Hinweise darin sind schlichtweg falsch - wie sollte auch ein österreichischer Kanzleibeamter mit dem oft urwüchsigem Dialekt mancher Schwaben und Pfälzer zurecht kommen?
Da wurden die Herkunftsorte oft falsch niedergeschrieben oder ein Hofname gar als Ort aufgewertet.
Ein Beispiel aus meiner Familie:
Henrich Petri wanderte von Lohnsfeld in der Pfalz nach Galizien aus, in der Ortsangabe steht "Landfeld", einen Ort der nie existierte. Ein phonetischer Irrtum - dessen Aufklärung mich einige Zeit gekostet hat.

Wie lebten nun unsere ersten Kolonisten?
Sie besaßen Grund und Boden als eingeschränktes Eigentum. Im Ansiedlungspatent vom 17.September 1781 war allen Kolonisten ein freier, erbberechtigter Bauerngrund zugesagt worden und 1782 wurde auch die Aufhebung der Leibeigenschaft verfügt (dem Worte nach), aber die Siedler wurden zu Fron- und Robotdienst verpflichtet. Dazu kamen weitere Lasten, wie Vorspanndienste usw.
Dieses alles führte zu einer großen Unruhe im Lande, die Kolonisten waren mit diesen Verhältnisser unzufrieden. Die Parzellen waren oft kleine und kleinste Grundstücke, sumpfige oder zu trockne Böden - und immer wieder Streit um die Nutzungsrechte des Waldbestandes.

Die Verhältnisse zu den ukrainischen Nachbarn waren im allgemeinen gut, zu polnischen Nachbarn manchmal etwas gespannt. Dieses war zumeist in der unterschiedlichen Religionsausübung begründet, als strenger Katholik war dem Durchschnittspolen ein Protestant höchst verdächtig. Dazu kamen in einigen Fällen die Beeinflussung durch den katholischen Klerus von der Kanzel herab, der zusammen mit dem polnischen Adel eine deutschenfeindliche Politik betrieb
Im weiteren Verlauf der Zeit kam es in Galizien immer wieder zu Mißernten und Epidemien - Hunger, Blattern und Cholera waren gefürchtet. Und immer wieder der Kampf gegen Entrechtung und Übergriffe durch den polnischen Adel.

Im 1.Weltkrieg teilte Galizien das Schicksal vieler Grenzländer, es wurde schon in den ersten Kriegswochen von den russischen Armeen überrannt. Die nicht geflohene Bevölkerung hatte unter der russischn Herrschaft ein einigermaßen erträgliches Dasein, an Lebensmitteln herrschte kein Mangel
Bei Kriegsende zählte Galizien mehr als 1000 zerstörte Bauernhöfe, die KuK-Monarchie war zerschlagen und der Vielvölkerstaat Österreich schrumpfte auf die 1. Republik Österreich. Überall bildeten sich nationale Republiken. Nach heftigen Kämpfen zwischen Polen und Ukrainern um Lemberg wurde Galizien der neuen Republik Polen einverleibt die es bis 1939 verwaltete.

Danach wurde alles ganz anders!
Letzte Änderung: 2 Jahre, 4 Monate her von Günter Lang.

Unsere Ahnen - III 2 Jahre, 4 Monate her #5225

Die Fremde ward uns schier zuviel,
nach Haus, nach Haus,ist nun das Ziel!
Wir sind bereit, schauen nicht zurück,
wem ward die Fremde wohl zum Glück?
Wir wanderten in die Welt wohl aus
und kommen ach so gern nach Haus.

Der Heimatdichter der Galiziendeutschen
Friedrich Rech, 1940


Die Rückwanderer

Am 1. September 1939 begann der II.Weltkrieg, der mehr als fünf Jahre dauern sollte und Millionen Menschen den Tod, die Armut oder den Verlust der Heimat bringen sollte.
Mit dem Polenfeldzug wurden in weniger als vier Wochen die polnischen Armeen geschlagen und deutsche Truppen besetzen schon am 12.September Lemberg - entgegen den Geheimabsprachen im Freundschafts- und Nichtangriffspackt vom 23.August 1939 zwischen Stalin und Hitler.
(Vertreten durch die Außenminister Molotov und von Ribbentrop)

Nach dem Eingreifen und Vormarsch der Roten Armee ab dem 17.September gehen die deutschen Truppen auf die vereinbarte Demarkationslinie - längs der Pisa im Norden, über den Narew, an der Weichsel hinab bis zu San - zurück. Die Sieger einigen sich am 28.September auf eine fünfte Teilung Polens. Die Sowjetunion annektiert 197.000 Qauadratkilometer, die rstlichen 187.000 Quadratkilometer mit den meisten Industrieansiedlungen werden Generalgouvernement.

Für die Galiziendeutschen beginnt der große Treck.
Unsere Vorfahren verlassen im Winter 1939/40 bei Schnee und eisigen Temperaturen Galizien für immer und werden in den Städten und Orten des damaligen "Warthegau" angesiedelt.

Ein fast 160jährige Kolonisationsgeschichte geht zu Ende

Doch nicht genug mit diesem Schicksal, gegen Ende des für Deutschland verlorenen Krieges müssen beim Herannahen der Roten Armee auch diese Gebiete verlassen werden, ein Exodus beginnt.

Verteilt in einem gespaltenen Deutschland, getrennt of von den nächsten Angehörigen, abgeschirmt durch Grenzen und gegensätzlichen politischen Ideoligien kommt es zur zunehmenden Entfremdung in den Familien. Und das ist der Schlüssel zu meiner Arbeit, darzustellen das wir durch gemeinsame Ahnen verbundene Familien sind.
Letzte Änderung: 2 Jahre, 4 Monate her von Günter Lang. Begründung: Korrekturen
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