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| Eine Reise ins Weichsel-San-Dreieck im September 2008 |
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Vom 5. - 11. Sept. 2008 hat eine 6-köpfige Gruppe mit Vorfahren aus Czermin Kolonia (Hohenbach) , Padew und Sarnów (Reichsheim) diese und andere Orte im WSD besucht. Es waren dies Kinder von Edmund (*1897 in Padew) und Heinrich Konrad (*1914 in Hohenbach) mit Angehörigen. Wir hatten einen exzellenten Organisator (Herrn Dr. Gasiewski) und ebenso Übersetzer (Herrn Rejman) für unseren Aufenthalt in dieser Gegend. Beide Herren sind Oberschullehrer in Mielec.
Czermin Kolonia (Hohenbach): Czermin Kolonia ist jetzt der größeren Gemeinde Czermin eingegliedert. Es gab seit 2004 erste Kontakte mit dem - wójt von Czermin, Leon Getinger betreffs des Friedhofes. Die Gemeinde hatte sich eindeutig dafür ausgesprochen, dass der Würde des Ortes entsprechend nun Aufräumungs- und Renovierungsarbeiten stattfinden sollten. Bei unserem Besuch in Czermin waren zugegen: der wójt von Czermin Leon Getinger, sołtys von Czermin Frau Krystyna Miłoś, der für die Friedhofsarbeit zuständige Gemeinderat Jan Myjak und Jozef Czaja aus Czermin Kolonia.. Der 80-jährige Herr Czaja verfügt über ein reichliches Wissen über die Zeit vor 1945. Als erstes erfolgte eine Besichtigung des in letzter Zeit aufgeräumten Friedhofes. Die Aufräumungsarbeiten sind nun soweit gediehen, dass ca. 50 Grabsteine auf dem Friedhof gefunden wurden. Diese wurden über die ganze Länge des Friedhofes aufgereiht. Am oberen Ende sind vorwiegend die Grabsteine mit noch lesbaren Inschriften versammelt worden. Ca. 10 Steine zeigen noch Inschriften. Davon sind 7 gut / sehr gut lesbar. Diese 7 Grabsteine betreffen folgende Personen:
- Philipp Hauser (1861–1941) von Haus Nr. 31.
- Heinrich Hauser (*1822-1898) mit Frau Katharina (*1826), Haus 31/26.
- Heinrich (1856-1918) und Barbara Hauser (1860-1913), Haus 26.
- Elisabeth Konrad *Senft (1860-1922), Haus 19.
- Johann Georg Zimmermann (1841-1922), Haus *7 / +25 und Frau.
- Maria Catharina Rudolf *Hauser (1819 – 1890), Haus *31, 53,44, +37.
- Philipp Konrad Lauber (1815 – 1887), Haus 21.
Alle Baumstümpfe sind gerodet. Einige Grabumrandungen stehen noch. Wir waren über den Stand der Aufräumungsarbeiten nicht im Voraus informiert gewesen und somit freudig überrascht. Die weitere Gestaltung der Renovierung kann nun unter Berücksichtigung der zahlreichen alten Grabsteine erfolgen.
Nach der Friedhofsbesichtigung erfolgte ein gemeinsamer Dorfrundgang. Wir hatten nun Gelegenheit, die vielen Veränderungen zu neuen 2-Familien Häusern zu sehen, aber auch noch viele alte Häuser. Ca. die Hälfte der Häuser sind neu gebaut. Wir konnten viele Aufnahmen machen, Fotos und Video. Die früheren Hausbesitzer konnte Herr Czaja oft aus dem Kopf benennen.
Danach versammelten sich alle 12 Personen beim wójt Getinger. Dieser machte in einer offiziellen Ansprache auf die sich verbessernden Beziehungen von Polen und Deutschen aufmerksam: Er erinnerte daran, dass der Krieg auch in den Köpfen der Menschen Verwüstungen angerichtet hatte. Das gegenwärtige Aufeinanderzugehen ist auch dadurch möglich, „weil die Zeit alle Wunden heilt.“. Die Gemeinde Czermin hat einen Obelisken zur Erinnerung an die Gefallenen der Kriege vor dem Gemeindehaus neu errichtet. Dabei wurden wir auch auf die Tafeln mit den Gefallenen des 1. Weltkrieges aufmerksam gemacht, die früher im Ort und jetzt an der Friedhofskapelle in Czermin zu sehen sind.
Herr Czaja konnte sich an wichtige Dorfereignisse gut erinnern. Auch an Personen und deren Spitznamen. Seine Mutter hatte z.B. das Schneidern im Hause des Tischlers Heinrich Senft *1900, Nr. 63 gelernt. Auch sind ihm die gemeinsamen Fußballspiele mit den deutschen Kindern in guter Erinnerung. Er prägte den Satz: „Eine Person mit geschichtlichem und politischem Interesse ist aufgeschlossen für die deutschen Besucher“.
Zur Verbesserung der Besuche aus D und USA hatte ich für die Reise Flugblätter in 3 Sprachen vorbereitet, die für weitere Besucher gedacht sind, die urplötzlich in den früheren deutschen Kolonien auftauchen. Diese Überraschungsbesucher sollen gezielt auf die Dorfbewohner hingewiesen werden, die etwas vertrauter mit der Dorfgeschichte sind. In den Flugblättern wird auch auf bereits vorliegende Ausarbeitungen über unsere Dörfer in Deutsch, Englisch und Polnisch hingewiesen. 2 Kontaktpersonen in Deutschland werden in den Flugblättern benannt. Ich übergab den Teil Hohenbach aus „Abenteuer Galizien – Szenen aus dem Weichsel-San-Dreieck“ (A.G.) mit ca. 60 darin enthaltenen Bildern des alten Hohenbach. Darin sind auch alle unsere Artikel über Hohenbach als Register für Quellenliteratur aufgeführt. Weitere Informationen sind grundsätzlich von uns erwünscht.
Herr Getinger machte auf die gerade erstellte Dissertation von Herrn Dr. Gasiewski mit dem Thema "Deutsche Kolonisation auf dem Gebiet um Mielec" aufmerksam. Ein Exemplar als Buch konnten wir einsehen. Wir werden später ein eigenes Exemplar erhalten. Wir stellten erfreut fest, dass die Geschichte der deutschen Siedlungen im Kreis Mielec nun auch mit Hilfe eigener Archivunterlagen bearbeitet wird.
Am Abend waren wir bei einer Familie zu Gast, die uns schon von dem Besuch von 1994 bekannt war.
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