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| Aus Uruguay: Galizier in der Fremde |
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Auf Deine Bitte hin will ich Dir, liebe Lucy, über unseren Werdegang berichten, möchte aber von vornherein betonen, dass ich alles aus eigener Perspektive erzählen werde, die sich nicht unbedingt mit den Erfahrungen anderer Einwanderer aus Galizien decken muss.
Die SiedlungAuf Deine Bitte hin will ich Dir, liebe Lucy, über unseren Werdegang berichten, möchte aber von vornherein betonen, dass ich alles aus eigener Perspektive erzählen werde, die sich nicht unbedingt mit den Erfahrungen anderer Einwanderer aus Galizien decken muss.
Zunächst etwas Geschichte: Nach unserer Ankunft in Uruguay wurde die Hauptsiedlung „El Ombú“ im Departemento Rio Negro Anfang 1950 mit Hilfe des MCC gegründet. Da die dort geplanten Hofstellen vielen Einwanderern, vor allem aber den Galiziern zu klein erschienen, wurde ein zweites Objekt in der Nähe von Canelones (42 km von Montevideo) in Erwägung gezogen. Auch wir gehörten zu den Anwärtern und erlebten nach kurzer Zeit einen großen Reinfall. Dieses private Siedlungsprogramm war von vornherein zum Scheitern verurteilt und als das Kartenhaus zusammenbrach, wurden die Mitglieder unserer galizischen Gruppe in alle Winde verstreut, die meisten blieben jedoch in Süd-Uruguay.
Anfangs waren wir alle sehr niedergeschlagen: unsere Frauen mussten die niedrigsten Arbeiten annehmen, und für die Männer war es noch schwieriger, eine passende Arbeit zu finden. Aber wir mussten uns damit abfinden, denn wir waren alle in der spanischen Sprache nicht „in“. Schließlich landeten wir, Hannelore und ich mit meinen Schwiegereltern und zwei anderen verwandten Familien in einer Hühnerfarm, 24 km von Montevideo entfernt. Nach 10 Monaten zogen wir nach Montevideo, wo ich etwa ein Jahr in einer Thermosflaschenfabrik arbeitete. Danach zogen wir auf eine Wirtschaft bei Libertad, 52 km von Montevideo entfernt, und blieben dort bis 1955. Ich arbeitete als Traktorist.
Da wir damals schon einen Lastwagen gekauft hatten, unternahmen wir Besichtigungsfahrten durch Uruguay und entschlossen uns schließlich, diese Kolonie, die den Namen Delta erhielt, zu kaufen. Der Name Delta wurde aus zweierlei Gründen gewählt: erstens, weil die meisten Siedler Danziger waren und sich zur Erinnerung an das Weichsel-Nogat-Delta diesen Namen wünschten, und zweitens, weil das Land sich tatsächlich in einem Delta befand, das von drei Flüssen durchkreuzt wurde. Die vierzig „Deltaner Siedler“ kamen aus allen Teilen Uruguays, die meisten aber aus der erstgegründeten Kolonie „El Ombú“. – Gründungsdatum unserer Kolonie ist der 1. April 1955, doch war es erstaunlicherweise kein Aprilscherz, sondern Wirklichkeit.
Zunächst gründeten wir ein Vermessungskommando, welches das mit Hilfe der Hypothekenbank gekaufte Objekt von ca. 2.200 ha in 40 Hofstellen aufteilte, die Wege auf der Karte einzeichnete, die Hofstellen genau vermaß und mit Markierungsstöcken abzeichnete. Die Hofstellen bekamen die Nummern 1 bis 40. Als diese Arbeit getan war, wusste niemand von uns Anwärtern, wo er eines Tages wohnen würde. Deshalb fertigten wir anschließend eine so genannte Nachbarliste an. Das war ganz einfach: Wenn z. B. Klaasen die Nr. 1 bekam und neben seinem Schwager Kunze wohnen wollte, so bekam dieser die Nummer zwei usw., bis alle auf der Liste verzeichnet waren.
Nun kam der große Augenblick: 40 Zettel mit den Nummern 1-40 wurden in einen Hut gelegt. Ein Mädchen, ich glaube es war vier Jahre alt, zog eine Nummer, z. B. die Elf. Also bezog die Familie mit der Nummer elf die Hofstelle Nummer eins. Alle anderen folgten laut Nachbarliste nummernweise nach, hatten also ihren gewünschten Nachbarn zur Seite. Da wir diese Aufteilungsmethode vorher einstimmig gewählt hatten, gab es kein ernstes Murren, wenn man mit dem Land vielleicht nicht ganz zufrieden war.
Noch vor der Verschreibung Deltas gründeten wir eine Landwirtschaftliche Cooperative, die von allen Mitgliedern zum Ankauf ermächtigt wurde. Nur auf diese Weise konnte der Kauf zustande kommen, da die meisten von uns nicht das nötige Ankaufskapital besaßen. Durch die Gründung der Cooperative wurden alle vorhandenen Finanzen in einen Topf gelegt und auf diese Weise konnte der zur Anzahlung des Landes benötigte Betrag aufgebracht werden. Erst nach Jahren wurde alles unter uns verrechnet und auf einen Nenner gebracht.
Den Rest des Betrages erhielten wir von der uruguayischen Hypothekenbank auf 30-jährige Abzahlung. Ich gehörte damals dem ersten Cooperativ-Vorstand an; als dann in den 60er Jahren verlautbart wurde, dass alle Schulden aufgrund der Geldentwertung aufgewertet werden, drehten wir zum zweiten Male unsere Taschen um und bezahlten die Restschuld des Landes auf einen Schlag. Seit damals ist jeder von uns Eigentümer seines Landes und schuldenfrei.
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