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Galiziens Mennoniten auf der Wanderschaft Drucken E-Mail
Geschrieben von: Arnold Bachmann   
Samstag, den 27. Oktober 2007 um 10:41 Uhr
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Galiziens Mennoniten auf der Wanderschaft
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Liebe Freunde und Landsleute!

Ich darf Sie jetzt zu einer, allerdings recht langen Wanderung einladen. Sie wird uns in zum Teil ferne Länder führen und uns mit dem Ablauf geschichtlicher Vorgänge mehrerer Jahrhunderte konfrontieren. Diese Wanderung werden wir aber nicht allein zu machen brauchen. Wir werden Leuten das Geleit geben, die uns eigentlich nicht fremd sein dürften. In unserer ehemaligen galizischen Heimat wurden sie die Manischte genannt. Sonst nennt man sie Mennoniten oder, wie zum Beispiel in Holland, Doopsgezinde, das heißt Taufgesinnte. In ihren ersten Anfängen nannten sie sich im Unterschied zu den Wiedertäufern schlicht und einfach Täufer.

Wer sind diese Täufer bzw. Mennoniten? Es wäre gewiss nicht ganz uninteressant, wenn wir diese Frage als Rundfrage in diesen Saal stellen würden. Ob die hier gegebenen Antworten wohl alle den Kern der Sache treffen würden? Wohl kaum. Ich will daher versuchen, die Antwort selber zu geben. Die Mennoniten sind, kurz gesagt, ebenso wie die Lutheraner und Reformierten, Kinder jener großen Reformationsbewegung des 16. Jahrhunderts. Ihre Gründer lebten und wirkten zur gleichen Zeit wie Dr. Martin Luther, Ulrich Zwingli und Johannes Calvin.[1]

Jene Zeit war übrigens eine überaus interessante Zeit. Sie glich in nicht wenigen Dingen unserer heutigen Zeit. Die Welt von damals war grundsätzlich auch auf Dauer und Stabilität eingestellt, sie war aber ins Wanken geraten. Es hatte auch damals neue Entdeckungen und Erfindungen gegeben. Damals war es die Entdeckung Amerikas [ab 1492], heute die der Stratosphäre. Damals die Erfindung des Pulvers [1313], heute die der Atomkraft. Damals die Erfindung der Buchdruckerkunst [1440] und heute die des Rundfunks, des Fernsehens und vieler anderer Hilfsmittel unserer Medien. Alle diese Entdeckungen und Erfindungen hatten den Horizont der Menschen weit ausgedehnt. Bildung war wie heute die Parole. Universitäten schossen wie Pilze aus deutschem Boden.[2] Die darin erworbenen Kenntnisse förderten, so wie heute, das wirtschaftliche Wachstum, verursachten zugleich aber auch die Unzufriedenheit mit den bestehenden Verhältnissen.

Auch die Politik war damals schon voller Spannungen. Neben den Großraumbestrebungen Kaiser Karls V. [gestorben 1558] gab es die Sonderinteressen der Landesfürsten. So wie heute standen auch damals zwei Großmächte einander gegenüber, im Westen das so genannte christliche Abendland und im Südosten das aufstrebende und auf Expansion angelegte Reich der Türken. Diese Türken klopften laut und vernehmlich an die Pforten des Abendlandes. Ihre Streitkräfte stießen dann bis vor die Tore Wiens vor und konnten erst mit Hilfe des polnischen Königs Jan Sobieski [am 12. September 1683] wieder zurückgeschlagen werden.


Zuletzt aktualisiert am Montag, den 17. März 2008 um 13:35 Uhr
 
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