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... Brücke zu den Vorfahren

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Galiziens Mennoniten auf der Wanderschaft

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Galiziens Mennoniten auf der Wanderschaft
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Liebe Freunde und Landsleute!

Ich darf Sie jetzt zu einer, allerdings recht langen Wanderung einladen. Sie wird uns in zum Teil ferne Länder führen und uns mit dem Ablauf geschichtlicher Vorgänge mehrerer Jahrhunderte konfrontieren. Diese Wanderung werden wir aber nicht allein zu machen brauchen. Wir werden Leuten das Geleit geben, die uns eigentlich nicht fremd sein dürften. In unserer ehemaligen galizischen Heimat wurden sie die Manischte genannt. Sonst nennt man sie Mennoniten oder, wie zum Beispiel in Holland, Doopsgezinde, das heißt Taufgesinnte. In ihren ersten Anfängen nannten sie sich im Unterschied zu den Wiedertäufern schlicht und einfach Täufer.

Wer sind diese Täufer bzw. Mennoniten? Es wäre gewiss nicht ganz uninteressant, wenn wir diese Frage als Rundfrage in diesen Saal stellen würden. Ob die hier gegebenen Antworten wohl alle den Kern der Sache treffen würden? Wohl kaum. Ich will daher versuchen, die Antwort selber zu geben. Die Mennoniten sind, kurz gesagt, ebenso wie die Lutheraner und Reformierten, Kinder jener großen Reformationsbewegung des 16. Jahrhunderts. Ihre Gründer lebten und wirkten zur gleichen Zeit wie Dr. Martin Luther, Ulrich Zwingli und Johannes Calvin.[1]

Jene Zeit war übrigens eine überaus interessante Zeit. Sie glich in nicht wenigen Dingen unserer heutigen Zeit. Die Welt von damals war grundsätzlich auch auf Dauer und Stabilität eingestellt, sie war aber ins Wanken geraten. Es hatte auch damals neue Entdeckungen und Erfindungen gegeben. Damals war es die Entdeckung Amerikas [ab 1492], heute die der Stratosphäre. Damals die Erfindung des Pulvers [1313], heute die der Atomkraft. Damals die Erfindung der Buchdruckerkunst [1440] und heute die des Rundfunks, des Fernsehens und vieler anderer Hilfsmittel unserer Medien. Alle diese Entdeckungen und Erfindungen hatten den Horizont der Menschen weit ausgedehnt. Bildung war wie heute die Parole. Universitäten schossen wie Pilze aus deutschem Boden.[2] Die darin erworbenen Kenntnisse förderten, so wie heute, das wirtschaftliche Wachstum, verursachten zugleich aber auch die Unzufriedenheit mit den bestehenden Verhältnissen.

Auch die Politik war damals schon voller Spannungen. Neben den Großraumbestrebungen Kaiser Karls V. [gestorben 1558] gab es die Sonderinteressen der Landesfürsten. So wie heute standen auch damals zwei Großmächte einander gegenüber, im Westen das so genannte christliche Abendland und im Südosten das aufstrebende und auf Expansion angelegte Reich der Türken. Diese Türken klopften laut und vernehmlich an die Pforten des Abendlandes. Ihre Streitkräfte stießen dann bis vor die Tore Wiens vor und konnten erst mit Hilfe des polnischen Königs Jan Sobieski [am 12. September 1683] wieder zurückgeschlagen werden.

Nicht zuletzt hatte damals auch die Kirche ihre Probleme. Gewiss, von Gott war überall die Rede. Man kniete vor vielen Altären, vor Institutionen, Kulten, heiligen Bildern, Reliquien und Wassern. Aber die Menschen merkten immer mehr, dass diese Dinge letzten Endes nichts mit dem rechten Glauben zu tun haben. Man drang daher auf Reformen. Dieser Drang nach Reformen wurde immer größer und stärker. Doch die Kirche war zu einer Weltmacht geworden und sie verteidigte unerbittlich ihren Besitzstand und ihre Position. Bis es dann schließlich zum offenen Bruch kam.

Dr. Martin Luther wagte ihn. Wie er es tat und wohin der Bruch führte, wissen wir alle zur Genüge. Es entstand die lutherische Kirche. Das gleiche taten zur gleichen Zeit Zwingli und Calvin in der Schweiz. Auch darüber sind wir wohl alle genügend unterrichtet. Es entstand das Reformiertentum bzw. die reformierte Kirche. Wesentlich weniger unterrichtet ist man hingegen auch heute noch darüber, dass es damals neben diesen beiden großen reformatorischen Bewegungen noch eine dritte, heute noch bestehende reformatorische Richtung gab, eben diese Mennoniten oder, wie sie sich anfangs nannten, die Täufer. Sie traten insbesondere in der Schweiz, im süddeutschen Raum sowie in Holland auf.

Mit den Lutheranern und den Reformierten verband sie das Grundbekenntnis der Reformation. Dieses Grundbekenntnis ist mit den drei Schlagworten gekennzeichnet:

1.    Allein Christus, d. h. Christus ist allein der Grund und der Anlass des Glaubens. In seinem Tod und seiner Auferstehung liegt allein und unmittelbar das Heil.

2.    Sola fide, allein durch den Glauben, d. h. den Christen führt zu seinem Heil allein der Glaube, der dann Früchte trägt.

3.    Sola scriptura, d. h. allein in der Schrift, in der Bibel, offenbart Gott seinen Willen.

Auf diesen drei Grundpfeilern der Reformation stand neben dem Bekenntnis der Lutheraner und Reformierten auch das der Täufer. Sie meinten es damit sehr ernst. Dabei kamen sie jedoch zu einigen abweichenden Erkenntnissen. Unter Berufung auf die Jesusworte „Gehet hin und lehret alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ sowie auf das andere Jesuswort „Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden“ und in Anlehnung an die in den urchristlichen Gemeinden geübte Taufpraxis lösten sie sich von der Kindertaufe und führten in ihren Reihen die Erwachsenentaufe ein. Unter Berufung auf die in der Bergpredigt enthaltenen Weisungen Jesu lehnten sie das Schwören und das Töten ab. Auch vertraten sie im Gegensatz zum hierarchischen Aufbau der damaligen Kirche die Autonomie der Gemeinde, d. h. jede Gemeinde ist selbständig und unabhängig von irgendwelchen übergeordneten Einrichtungen. Im Zusammenhang damit vertraten sie die Trennung von Kirche und Staat und lehnten jede Verbindung von Thron und Altar ab.

Es lag auf der Hand, dass die Täufer mit diesen Grundsätzen in einen scharfen Gegensatz zu den damals herrschenden Mächten geraten mussten. Es dauert auch nicht lange, da bekamen sie das zu spüren. Kaum hatten ihre Führer Felix Manz, Georg Blaurock und Konrad Grebel [3] am 25. Januar 1525 in Zürich die erste Täufergemeinde gegründet, schlug die Gegenseite auch sofort zu. Felix Manz wurde zum Tode durch Ertränken verurteilt. Das Urteil wurde am 5. Januar 1527 vollstreckt. Georg Blaurock erlitt am 6. September 1529 zu Klausen in Tirol den Tod auf dem Scheiterhaufen. Vielen anderen Täufern erging es nicht besser. Michael Sattler, einer ihrer Führer im Württembergischen, wurde 1527 in Horb am Neckar seines Glaubens wegen festgenommen und in Rottenburg am Neckar zum Tode verurteilt. Das Urteil war entsetzlich. Es heißt da u. a.: Der Henker soll den Verurteilten „auf den Platz führen und ihm allda zuerst die Zunge abschneiden, ihn dann auf den Wagen schmieden, zweimal mit einer glühenden Zange Stücke aus dem Leibe reißen und ihm auf dem Wege zur Malstatt [4] noch weitere fünf solcher Griffe geben. Danach soll er seinen Leib als den eines Erzketzers verbrennen.“ Dieses Urteil wurde am 20. Mai 1527 in Rottenburg am Neckar vollstreckt. Hätte es damals schon die „Amnesty International“ gegeben, so hätte sie Vieles aufzudecken und zu berichten gehabt. Es gibt nicht nur heute Folterungen und unmenschliches Verhalten. Es gab sie auch damals schon, nur dass die heutigen [Methoden] viel raffinierter sind.

Die Verfolgungen der Täufer hielten in der Schweiz länger an als hierzulande. Als sie dort unerträglich wurden, suchten viele Täufer ihr Heil in der Flucht. Unter ihnen befanden sich die Urahnen auch der galizischen Mennoniten. Es war dies ihre erste Wanderung. Ihr Ziel war zunächst die Pfalz. Einige von ihnen werden in einer Liste vom Jahre 1672 namentlich aufgeführt, und zwar Christian Stauffer. Von ihm heißt es da „über 90 Jahre alt. Er ist Vater, Großvater und Urgroßvater von 94 Nachkommen“. Von einem Michael Müller heißt es: „31 Jahre alt, Frau 50 Jahre, gekommen mit einem Deckbett“. Über einen Peter Bachmann wird berichtet: „40 Jahre, ledig, gekommen mit zwei Reichstalern“. – Diese Flüchtlinge fanden in Ibersheim bei Worms eine Bleibe und wurden dort angesiedelt. Ihnen folgten die Familien Brubacher, Forrer und Laise. In andere Teile der Kurpfalz kamen die Familien Bergthold, Ewy, von Huven (Hubin), Jotter, Kintzi, Linscheid, Rupp und Schmidt. Die Nachkommen dieser Flüchtlinge erscheinen etwa 100 Jahre später in Galizien.

Diese um ihres Glaubens willen verfolgten und vertriebenen Menschen versuchten nun im Vertrauen auf Gottes und guter Menschen Hilfe sich in der Pfalz eine einigermaßen erträgliche Bleibe zu schaffen. Aber ohne Schwierigkeiten ging es nicht ab. Zunächst mussten sie feststellen, dass sie hier keineswegs gleichberechtigte Bürger waren. Sie wurden lediglich geduldet und diese Duldung mussten sie sich zudem noch gegen bares Geld, das so genannte Schutzgeld, erkaufen. Wenn ihnen damals ihre Glaubensbrüder in Holland nicht zu Hilfe gekommen wären, hätten sie dieser Auflage gar nicht nachkommen können. Ihre Duldung wurde zudem mit einem so genannten „Numerus clausus“ versehen, der besagte, dass es Aufenthaltsgenehmigungen nur bis zu einer festgesetzten Zahl gab. Wer diese Zahl überschritt, musste entweder auswandern oder zusehen, wo er irgendwo anders untertauchen könnte. Um vom Militärdienst befreit zu werden, mussten sie das so genannte Milizengeld bezahlen. Und schließlich wurde ihnen, ähnlich wie den Juden, verboten, Grund und Boden zu erwerben. Alle diese einschränkenden Bestimmungen waren wahrhaftig nicht dazu angetan, im Lande festen Fuß zu fassen. Trotzdem gelang es ihnen in überraschend kurzer Zeit, einen Lebensstandard zu erreichen, der es ihnen möglich machte, ein menschenwürdiges Leben zu führen. 

Woran lag das? Zunächst wohl daran, dass sie nicht mit großen Erwartungen ins Land gekommen waren. Sie gaben sich zufrieden, im Frieden ihres Glaubens leben zu dürfen. Sie lebten es in großer Einfachheit und Sparsamkeit. Durch den religiös motivierten Verzicht auf jede Betätigung in der Öffentlichkeit war es ihnen möglich, sich voll und ganz der beruflichen Arbeit zuzuwenden. Diese berufliche Arbeit sahen sie nach dem Willen Gottes in der landwirtschaftlichen Betätigung. Die an den Verwüstungen des 30-jährigen Krieges leidende Pfalz gab ihnen dazu reichlich Gelegenheit. Hierbei kamen ihnen die aus der Schweiz mitgebrachten Erfahrungen und Kenntnisse zugute. Hinzu kam, dass der auf ihnen lastende politische Druck sie zu größerer Rührigkeit zwang, zunächst allerdings nur auf gepachtetem Grund und Boden. Dazu äußerte sich der namhafte pfälzische Agrarreformer des 18. Jahrhunderts F. C. Medicus: Das sonst beschränkende Verbot des Güterankaufs ... hat die Mennoniten von der Vielheit der Äcker bewahrt. Sie vermochten auf ihren wenigen Gütern desto mehr Fleiß und Nachdenken verwenden. Der gepresste [unter Druck stehende] Mennonit wurde daher in einem Dorf reich und wohlhabend, während derzeit seine Nachbarn, die mehr begünstigten Bauern, entweder in ihrem ersten Vermögenszustand verblieben oder gar verdarben.

So kam es, dass sich die in jenen Jahren in Deutschland einsetzende Agrarreform die Mennoniten bald in führender Position sah. Ihre Wirtschaften galten vielfach als Musterwirtschaften. Im Jahre 1778 schrieb der Staatswirtschaftler Chr. W. Dohm in einer seiner Abhandlungen wörtlich: „Die vollkommensten Landbauern in Deutschland sind die Pfälzer Mennoniten.“ Es konnte nicht ausbleiben, dass sich unter dem Eindruck solcher Stimmen die Öffentlichkeit in ihrem Verhalten zu den Mennoniten grundlegend änderte. Die Mennoniten waren jetzt nicht mehr ein Objekt gnadenloser Verfolgung und Vertreibung, sondern in gewisser Hinsicht sogar ein begehrter und gesuchter Artikel. Es trat ein, was niemand von ihnen auch nur im Entferntesten zu hoffen gewagt hätte. Ihr bisheriges Auswandern war bisher eine Folge von Bedrückungen und Verfolgungen, jetzt bekam es einen völlig anderen Sinn. Die Mennoniten wurden jetzt nicht mehr unterdrückt und vertrieben, sondern als Träger einer fortschrittlichen Agrarkultur sogar gesucht. In größerem Maße begann das zu Anfang der 70er Jahre. Zunächst bemühte sich um sie im Jahre 1773 Nassau-Usingen, 1778 Hessen-Darmstadt und Kurhessen, bald darauf im Jahre 1780 Sachsen-Weimar und dann schließlich im Jahre 1781 Kaiser Josef II. für Galizien.

Dem Ruf des Kaisers folgten damals 3300 deutsche Familien aus dem südwestdeutschen Raum, darunter 28 mennonitische Familien. Im Jahre 1784 waren es die Familien Bachmann, Ewy, Krehbiel, Mündlein und Schrag. Sie wurden in Falkenstein, Kreis Lemberg, angesiedelt. Ihnen folgten kurz darauf die Familien Albrecht, Brubacher, Gengerich, Huven, Kintzi, Linscheid, Mauer, Merk, Müller, Rupp, Schmidt, Sitter und Zercher. Deren Ansiedlung erfolgte 1786 in dem benachbarten Einsiedel und Rosenberg. Später kamen noch die Familien Forrer, Laise und Stauffer hinzu.

Die Reise von der Pfalz nach Galizien ging meistens über Wien, wo die Ansiedler das Reisegeld als Anzahlung und die Anweisung ihres besonderen Bestimmungsortes empfingen. Wie die Reise im Einzelnen verlief, schildert Jakob Müller, einer der mennonitischen Einwanderer, in seinem Brief vom 9. August 1785 an seinen Vetter Johann Weber in Kindenheim/Pfalz. Darin heißt es u. a.: Unsere Reise betreffend, so ist diese, wie wohl zu denken, beschwerlich gewesen. Doch sind wir durch Gottes Gnade gesund hereingekommen. Da wir von Regensburg fuhren, so mußten wir vor Linz, der Hauptstadt in Oberösterreich dritthalb Tage still liegen von wegen dem Anwachsen der Donau, weil die Schiffsleute nicht unter der Brücke durchfahren konnten. Zu Wien, der Hauptstadt in Unterösterreich, war unser Versäumnis bis 6 Tage. Von Wien bis auf Biala [sind es] etliche neunzig, zur Post wird’s gerechnet hundert Stund. Biala ist die Grenze und die erste Stadt in Polen. Von Biala bis auf Lemberg sind gerade einhundert Stund. Was das Land anlangt, so will ich euch dasselbe berichten. Wann ich schon nicht lange hier bin, so kann ich doch schreiben, was ich gesehen. Wenn man von Biala bis Lemberg die Straße rechts geht, die wir fuhren, und läßt Krakau links liegen, so ist bei dreißig oder vierzig Stunden das Land recht gut. Denn am Gewächs haben wir den Unterschied des Landes ganz klar unterscheiden können. Wir haben aber bis auf Lemberg sehr viel Sandfeld angetroffen und dennoch müssen wir uns über das Gewächs dieser Sandfelder verwundern ... Die Gegend bei Lemberg ist eine sehr fruchtbare Gegend und wächst alles sehr schön, ausgenommen der Wein. Doch kann man ungarischen Wein haben, die Maß 21 kr [= Kreuzer]. Auch 30 kr, wie man ihn haben will ... Zu Falkenstein, dem neuen Ort, wo die Mennoniten wohnen, findet man nicht so viel Steine, daß einer einen Vogel schießen kann. Es ist wie gesagt, diese Gegend sehr fruchtbar und doch wird das Land fast nicht gedüngt; in Lemberg hat einer seinen gewissen Lohn, wenn er den Mist in den Graben oder vor die Stadt führet, auf Haufen, allda viel tausend Wagen voll Mist liegen. Die Deutschen kaufen ihn von den Polaken, den Wagen voll für 5 kr. Auch 4 kr. Wenn es nicht so weit wäre auf Lemberg zu, den Mist zu holen, alsdann bekämen sie auch noch den Fuhrlohn dazu, daß er nur weg käme.

Der Brief enthält noch eine Reihe interessanter Angaben über die damals in Galizien herrschenden Verhältnisse und fährt dann fort:

Es ist aber diese Reise, wie gemeldet, beschwerlich von wegen der Sprachen und dem Geld; das französische Geld ist unkenntlich (d. h. unbekannt) und gilt nicht; das Konventionsgeld gilt, wie es geschlagen ist, für die gnädige Führung Gottes können wir Gott dem Allmächtigen nicht genug danken, wir haben erfahren, was David im vierten Psalm schreibt, daß Gott die Seinigen wunderlich führet; denn eine so weite Reise nach unserer Berechnung beinahe 400 Stunden, sind wir von Gott, unserem Vater, um der Liebe willen, die er uns in Jesu zu uns getragen hat, beschirmet worden wie ein Augapfel im Auge. Dafür sei sein heiliger Name gelobt in alle Ewigkeit ... Ich grüße euch mitsamt den Meinigen nochmals aus herzlicher Liebe, verbleibe durch Gnade euer geneigter Vetter        Jakob Müller

Die in den drei Kolonien Falkenstein, Einsiedel und Rosenberg angesiedelten mennonitischen Familien nahmen nach ihrer Ankunft die ihnen zugewiesenen Aufgaben als Kolonisten unverzüglich auf. Ihre Aufbauarbeit scheint so beeindruckend gewesen zu sein,[5] dass Kaiser Josef II. auf seiner Galizienreise im Jahre 1786 am 20. Juli Einsiedel sogar persönlich aufsuchte und sich da anerkennend über den Einsatz der Siedler äußerte. Gelegentlich dessen überreichten ihm die Mennoniten eine Dank- und Bittschrift.

Es zeigte sich sehr bald, wie sehr die Mennoniten sich die ihnen mit dem Ansiedlungs- und Toleranzpatent zuerkannten Vorgaben zunutze machten. Kirchlich auf sich selbst gestellt, bildeten sie ihre eigene Gemeinde mit den aus ihren Reihen gewählten Ältesten und Predigern. Wirtschaftlich konnten sie aufgrund ihrer bereits in der Pfalz erworbenen guten Kenntnisse in der Agrarkultur erstaunlich schnell mit den Anfangsschwierigkeiten fertig werden. Als 10 Jahre darauf 11 Familien nach Wolhynien weiter zogen, waren die verbliebenen Familien in der Lage, deren Wirtschaften zu übernehmen und sie ordnungsgemäß weiterzuführen.

Die wirtschaftlichen Verhältnisse entwickelten sich bei ihnen in der Folgezeit so günstig, dass sie bereits 1830 durch den Ankauf des etwa 200 ha umfassenden Teilgutes Zawidowice bei Gródek Jag. eine neue Tochtersiedlung gründeten und mit eigenen Leuten besiedelten. Der neuen Siedlung gaben sie den Namen Neuhof. Kaum 18 Jahre darauf legte einer von ihnen, und zwar der aus Einsiedel stammende Peter Kintzi, die Grundlage zur Gründung einer zweiten Tochtersiedlung. Er kaufte das gegen 1.200 ha große Hofgut Kiernica und siedelte auf größeren Einzelhöfen seine zahlreichen Kinder an. Damit schuf er eine neue, gewissermaßen aristokratische Dorfform, die dem Reichtum der Mennoniten entsprach. Die nächste Tochtersiedlung entstand zwei Jahre danach in dem nahe bei Falkenstein gelegenen Horożanna. Auf dem dort erworbenen 350 ha großen Teilgut siedelten sich mehrere mennonitische Familien an.

Ein besonderes Talent in der Anlage solcher Siedlungen entwickelte der im Jahre 1825 in Einsiedel geborene Peter Müller. Im Jahre 1859 kaufte er mit seinem Bruder Johann das Hofgut Nawaria. Von da aus erwarb er in einem geradezu atemberaubenden Tempo polnische Güter und besiedelte sie mit seinen Glaubensbrüdern. Im Jahre 1862 war es das etwa 400 ha große Gut Wiszenka bei Mościska, 1864 das 1.100 große Gut Błyszczywody, dem er den deutschen Namen Ehrenfeld gab. 1870 erwarb und besiedelte er das rd. 1.500 ha große, größtenteils aus Wald bestehende Gut Trościaniec und im Jahre 1871 das Gut Dobrowłany mit 500 ha. An Dobrowłany schloss sich 1872 die gegen 250 ha umfassende Siedlung Lipowce an. Das letzte größere Gut, auf dem Peter Müller Mennoniten ansiedelte, war im gleichen Jahr Podusilna bei Przemyślany mit 1.400 ha. Ein einmaliger Vorgang! Die kleine Gruppe der galizischen Mennoniten hatte es fertig gebracht, innerhalb von 42 Jahren, ohne fremde Hilfe, aus eigener Kraft neun neue Siedlungen auf einer Gesamtfläche von 9.000 ha zu gründen und zu besiedeln.[6] Einige dieser Siedlungen, insbesondere Trościaniec und Lipowce gingen kurz darauf wegen der in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts einsetzenden Auswanderung in die USA ein. Etwa die Hälfte der inzwischen auf 150 Familien angewachsenen Mennoniten verließ damals Galizien und siedelte sich in den Bundesstaaten Minnesota und Kansas an. Dort gründeten sie gemeinsam mit den aus Russland zugezogenen Glaubensbrüdern einige neue Kolonien. Ihre Verbindung mit den in Galizien Verbliebenen riss jedoch nicht ab. Sie besteht heute noch. Vor fünf Jahren [demnach 1981] veranstalteten sie in Butterfield, Minnesota, im Gedenken an ihre Auswanderung aus Galizien vor 100 Jahren ein mehrtägiges Galiziertreffen mit über 500 Teilnehmern. An dem Treffen nahmen auch einige [der] nach dem zweiten Weltkrieg in die USA ausgewanderten galizischen Mennoniten teil, u. a. der aus Neuhof stammende, damals 94-jährige Peter Bachmann.

Die große Auswanderung jener 80er Jahre hatte den in Galizien verbliebenen Mennoniten manche Probleme gebracht. Doch gelang es ihnen, auch ihrer ohne größere Schäden Herr zu werden. Zwar war ihr zahlenmäßiger Bestand erheblich zusammengeschrumpft. Nur noch etwa 80 Familien waren in Galizien verblieben. Dank des großen Kinderreichtums konnten die Lücken schnell wieder geschlossen werden. Kaum war das erreicht, drängte sie ihr unermüdlicher Kolonisationseifer wieder nach Betätigung. Für Neugründungen hatte Galizien in jener Zeit aber keinen Raum mehr. Die Mennoniten sahen sich daher nach einer anderen Art der Betätigung um und sie fanden sie auch bald. Sie wurden Gutspächter. Die Umstellung vom Dorfbauer zum Gutspächter ist an sich nicht einfach, denn der Beruf des Gutspächters erfordert besondere Eigenschaften, und zwar persönliche Tüchtigkeit und Bildung, Überblick über einen größeren Betrieb, Energie und rationelle Einstellung. Voraussetzung für die Einrichtung und Führung eines Pachtbetriebes ist vor allem auch der Besitz eines gewissen Kapitals. Das alles hatten die Mennoniten. Sie waren ja zu einem beträchtlichen Teil bereits Besitzer kleinerer Güter gewesen. Daher konnten sie sich schnell in die neue Berufsart einleben und sie wurden wegen ihrer Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit von den polnischen Gutsherren als Pächter auch gerne genommen. Bei Ausbruch des ersten Weltkrieges war von den inzwischen auf 116 Familien angewachsenen Mennoniten bereits die Hälfte Gutspächter.

Hand in Hand mit diesem Wandel ging unausweichlich die Zerstreuung und Vereinzelung der Familien über Galizien. In der Stammsiedlung Falkenstein waren nur noch einige wenige Familien geblieben und in den beiden anderen, Einsiedel und Rosenberg, gab es zu jenem Zeitpunkt überhaupt keine mehr. Die das Volkstum und den Glauben bewahrende Funktion der Dorfgemeinschaft ging damit den in der Zerstreuung lebenden Familien verloren und der Einfluss insbesondere des katholischen Polentums wirkte sich verstärkt aus. Die Gefahr des Identitätsverlustes wurde immer brennender. Diese Gefahr wurde rechtzeitig erkannt und es wurden raschestens durchgreifende Vorkehrungen getroffen. Anstelle des bisherigen nur locker organisierten kirchlichen Lebens trat im Jahre 1909 eine fest gefügte Gemeinde mit ihrem Sitz in Lemberg. Aus Deutschland wurde ein theologisch vorgeschulter Prediger namens Heinrich Pauls berufen und als Ältester eingesetzt. Im Jahre 1911 wurde das „Mennonitische Gemeindeblatt“ geschaffen, das die Gemeindeglieder über die jeweiligen Vorkommnisse in der Gemeinde unterrichtete und zur Ausrichtung der Jugendarbeit wurde der Geselligkeitsverein „Mennonit“ ins Leben gerufen.

So ausgestattet, überstand die Gemeinde die Stürme des ersten Weltkrieges recht gut. Kurz nach Kriegsende flossen zudem der Gemeinde durch testamentarische Verfügungen von Gemeindegliedern erhebliche Hilfsmittel zu, so dass das Gemeindehaus in Lemberg, Kochanowskistraße 23, zu einem Schülerheim ausgebaut werden konnte, in dem die in der Zerstreuung lebenden mennonitischen, aber auch evangelischen Kinder in ihrem Glauben erzogen werden konnten. Den Pfarrdienst versah in jener Zeit Pfarrer Leopold Gesell, der nachherige Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Hohenbach. In den letzten 7 Jahren durfte ich der Gemeinde bis zu ihrer durch den zweiten Weltkrieg und die große Umsiedlung bedingten Auflösung dienen. Wie die Umsiedlung geschah, brauche ich nicht im Einzelnen darzustellen. Wir haben sie ja alle selbst miterlebt. Sie erfolgte im Winter 1939/40 bei grimmiger Kälte. Die Umsiedler wurden zunächst in Umsiedlungslagern im Altreich und im Sudetengau untergebracht und dann im Warthegau angesiedelt. Doch einige Jahre später mussten alle Deutschen, die galizischen Mennoniten zum fünften [?] Mal, wieder den Wanderstab ergreifen. Diesmal war es allerdings eine Wanderung, wie sie grauenerregender bislang weder von ihnen noch von ihren Vorfahren erlebt worden war. Auf der Flucht in den Westen erfroren oder verhungerten viele Kinder, Alte und Kranke. Manche wurden von den Sowjets überrannt, zu Tode gehetzt und erschossen. Wem es nicht gelang, zu entkommen, wurde entweder nach Russland verschleppt oder in KZ-ähnliche Lager und Gefängnisse gebracht. Von der 550 Seelen zählenden Mennonitengemeinde waren so 80 Mitglieder, das sind 14,4 Prozent, dem Krieg zum Opfer gefallen. Ein trauriger Rekord, der umso beklagenswerter ist, weil er nicht nur die Mennoniten, sondern auch viele andere Volksgenossen betroffen hatte. 

In diesen Jahren großer geistiger und materieller Not leisteten kirchliche Stellen, insbesondere das Evangelische Hilfswerk in Deutschland unschätzbare Hilfe. Daran beteiligte sich in hervorragender Weise das MCC, das Mennonitische Zentralkomitee, eine Hilfsorganisation der nordamerikanischen Mennoniten. Wer damals Hilfe erfuhr, kann sich gewiss noch an die begehrten Fleischbüchsen mit der Aufschrift „In the name of Christ“ erinnern. Sie waren alle von dieser Hilfsorganisation gespendet worden. In jenen Notjahren verteilten 800 Freiwillige des MCC aus Amerika Lebensmittel, Kleider und Medikamente in den Flüchtlingslagern und zerbombten Städten. Insgesamt verteilte das MCC damals 28 Tonnen Hilfsgüter, 170.000 Weihnachtspakete und über 2 Millionen USA-Dollar. Diese Hilfe kam allen Bedürftigen ungeachtet ihrer Konfession zugute. In besonderer Weise nahm sich das MCC natürlich der vielen mennonitischen Flüchtlinge aus Russland, Ost- und Westpreußen und Galizien an. Es versuchte, sie in Lagern zusammenzufassen. Die galizischen Mennoniten wurden, soweit sie erreichbar waren, in Backnang untergebracht. Damals hatte es den Anschein, dass unser zerstörtes Deutschland auf lange Zeit hinaus nicht in der Lage sein würde, die vielen Flüchtlinge aufzunehmen und zu ernähren. Das MCC organisierte daher die Auswanderung nach Übersee. Die galizischen Mennoniten machten davon ausgiebig Gebrauch. Über 100 wanderten nach Uruguay, 53 nach Kanada und 21 in die USA aus.

In ihrer neuen Heimat haben sich durchweg alle gut zurechtgefunden. Die Uruguayer haben mit Hilfe des MCC und der Bundesrepublik Deutschland gemeinsam mit den Danziger Mennoniten drei neue Kolonien gegründet, in denen sie mit gutem Erfolg Landwirtschaft betreiben. Teilweise haben sie sich anderen Berufen zugewandt, wobei der Anteil akademischer Berufe bemerkenswert ist. Wegen der kritischen Wirtschaftslage in Uruguay sind in letzter Zeit einige Angehörige der jüngeren Generation nach Deutschland zurückgekehrt und haben hier ihr Fortkommen. Den Kanadiern und USA-Leuten geht es durchweg gut. Nach Überwindung der ersten Sprachschwierigkeiten haben sie den Anschluss an das Berufsleben gefunden.

Bei uns in der Bundesrepublik sind galizische Mennoniten in allen Bundesländern zu finden. Anfangs hatte sich dank des vom MCC eingerichteten Lagers ein Zentrum in Backnang gebildet. Diese zentrale Bedeutung behielt Backnang durch den Bau einer Siedlung mit Gemeindehaus und Gründung einer mennonitischen Gemeinde. Inzwischen sind aber insbesondere junge galizische Mennoniten, meist aus beruflichen Gründen, in andere Gegenden verzogen, so dass neben den zahlreich hinzugezogenen Danziger- und Rußlandmennoniten in Backnang nur noch wenige galizische Mennoniten verblieben sind.

Bei Kriegsausbruch 1939 hatte die Mennonitengemeinde Galiziens 550 Mitglieder. Davon wurden 80 Opfer des Krieges und 292 [offenbar 265] sind inzwischen einen natürlichen Tod gestorben. Zur Zeit [d. i. 1986] leben meines Wissens noch 250 [205!], und zwar 138 in der BRD, 18 in Kanada, 12 in Uruguay, 11 in den USA, 7 in Polen, je 5 in Österreich und England, 4 in der DDR, 2 in der UdSSR und je einer in Frankreich, Schweden und Neuseeland. – Jetzt trennen sie viele Grenzen und große räumliche Entfernungen. Die lassen es nicht zu oder machen es schwer, alte Verbindungen aufrecht zu erhalten. Was einmal war, ist in den Schatten der Vergangenheit gesunken und kann jetzt nur noch als Erinnerung in den Herzen derer leben, die sich einmal einer gemeinsamen Heimat und eines gemeinsamen Glaubens erfreuen durften. Vor zwei Jahren hatte sich die Einwanderung der Mennoniten in Galizien zum zweihundertsten Mal gejährt. Anlässlich dessen hatte der Arbeitskreis für Familienforschung Backnang die von mir bearbeitete Dokumentation mit dem Titel „Galiziens Mennoniten im Wandel der Zeiten“ herausgegeben.

Wären die schweren Umwälzungen der 40er Jahre nicht gekommen, hätte dieses Jubiläum in der alten Heimat Galizien gefeiert werden können. Doch das Rad der Geschichte lässt sich nicht zurückdrehen und es geht nicht alles nach Wunsch und Willen. Das gilt für uns alle. Wir sitzen hinsichtlich dessen alle in einem Boot, ob Mennonit oder Nicht-Mennonit. Wir haben alle unterschiedslos schweres Leid ertragen müssen und sind alle auf den Prüfstand der Bewährung geführt worden. Uns allen ist deutlich vor Augen geführt worden, dass wir es in allem Geschehen vor allem mit Gott zu tun haben. Und das lässt uns hoffen; denn wer seines Gottes bewusst ist, der kennt eine Zukunft, die über den Horizont dieses Lebens hinausführt. Er weiß, dass auch die ruheloseste Wanderschaft ein herrliches Ziel hat: die endgültige Ruhe in der Herrlichkeit Gottes.

Einer unserer Schicksalsgenossen, der vor dem letzten Krieg aus dem benachbarten Schlesien zu uns nach Galizien gekommen war, da eine Mennonitin zur Frau genommen und mit uns allen den Krieg, die Umsiedlung, Flucht und alle die Nöte der Nachkriegsjahre miterlebt und mitgetragen hatte, brachte das, was ihn dabei innerlich bewegte in einem Reim zum Ausdruck. Ich glaube, er hat uns aus dem Herzen gesprochen, wenn er darin sagt:

Zerstreut in alle Winde ist Bruder, Schwester, Freund.

Ob wir uns wieder finden, die einst so froh vereint?

Doch wenn wir glaubend hoffen so ganz nach ihrer Art  [7]

– die uns solch Leid getroffen – Gott-Vater uns bewahrt! Bleibt uns, o Herr, auf Erden verwehrt ein Wiederseh’n, lass es zuteil einst werden in deines Himmels Höhn!

           A. Bachmann

 


[1]      Die Mennoniten sind benannt nach dem friesischen Priester Menno Simons (1492-1559) und wurden seit 1577 in den Niederlanden amtlich geduldet.

[2]      Für den Intelligenzbedarf des eigenen Landes (vorrangig Nachwuchs in Kirche und Verwaltung) wurden die ersten Universitäten gegründet, voran die Kurfürsten: Prag: 1348, Heidelberg: 1386, Köln: 1388, Erfurt: 1392, Würzburg: 1402, Leipzig: 1409, Rostock: 1419, Greifswald: 1456, Freiburg im Breisgau: 1457, Ingolstadt: 1472, Trier: 1473, Mainz: 1476, Tübingen: 1477, Wittenberg: 1502 und Frankfurt/Oder: 1506.

[3]      In alten Akten findet man den Namen von Mennoniten in folgenden Schreibweisen: Grebil, Grebüll, Gröbill, Grebell, Krebill, Krehbiel, Krehenbühl, Krayenbühl und Krähenbiel; letzteres ist wahrscheinlich der ursprüngliche Name, vermutlich abgeleitet vom Wohnort;  (mittelhochdeutsch: bühel = Hügel, Anhöhe).

[4]      Eine Stätte, wo von einem Gericht ein Malefiz (eine Missetat) geahndet wurde, hier kam es zwecks Abschreckung zu einem Schauprozess.

[5]         Zitat aus Schneider (Kolonisationswerk 1939, S. 121) zu Falkenstein: „Mit dieser Gemeinde hat die Grundherrschaft einen Kontrakt über ... Verteilung der ... Meiergründe bereits unterm 24. Dezember 1785 auf zehn nacheinander folgende Jahre abgeschlossen, welchen Sr. Majestät [Josef II.] sub dato 4. Hornung [Februar] 786 allergnädigst zu begenehmigen geruht haben.“ – Somit konnten die in Verpflegung liegenden Ansiedler dann im Frühjahr 1786 mit ihrer Feldbestellung beginnen; einige Fluren mussten sie jedoch erst noch roden. Für die zu rodenden Flächen gab es 10 Jahre lang einen Steuernachlass.

[6]      Daraus kann man entnehmen, dass Peter Müller zum Teil im Auftrag und mit dem Geld der übrigen Mennoniten gehandelt hat. Was aber die Angaben in Hektar anbetrifft, so steht im „Zeitweiser der Galiziendeutschen“ 43 (2005) S. 84 zu lesen: „den Vermögensstand der Mennoniten bezifferten Pfr. Dr. Georg Faust während des Ersten Weltkrieges und Prof. Walter Kuhn 1924 mit 9.000-11.000 Joch mennonitisches Eigentum...“ – und auf S. 82 erfährt man die metrische Umrechnung: „1 österr. Joch = 0,5755 ha.“

aus dem Mitteilungsblatt „Das heilige Band“ - Der Galiziendeutsche Jg. 43 (1986) Nr. 9-11.

Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Hilfskomitee der Galiziendeutschen A. u. H. B. im Diakonischen Werk der EKD e. V.

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